Meine erste Probefahrt mit einem Tesla Model3

Tesla Model 3

Im Januar 2020 – noch vor der großen Covid-19 Welle in Deutschland – hatte ich die Gelegenheit bei einem Bekannten das Model3 LongRange probezufahren. Da ich in der IT tätig bin und ich schon länger überlege auf ein E-Auto umzusteigen, ist das Model 3 mit seinem Ruf als fahrender Computer, eines der Elekroautos, die mich am meisten faszinieren.

Kurz nach der Arbeit war es dann so weit. Er holte mich mit seinem Model 3 LongRange ab. Zugegeben gefällt mir das Design sehr gut. Vor allem die Front und das große Panoramadach finde ich sehr gelungen. Als ich in das Auto einstieg, war ich erst mal ziemlich geflashed. Ich hatte schon viel gelesen und auch einige YouTube Videos zu dem Thema angesehen und wusste, dass das Interieur sehr schlicht und edel wirken soll, da Tesla konsequent auf (fast) alle Schalter und Knöpfe verzichtet. Als ich es dann live sah, war ich wirklich beeindruckt. Der Verzicht auf die vielen Stellknöpfe und die Verarbeitung von Leder und Holz machten auf mich einen sehr hochwertigen Eindruck.

Natürlich schenkt man sofort seine Aufmerksamkeit dem mittig verbauten und riesigen 15 Zoll Monitor. Damit lassen sich ca. 95% aller Funktionen des Autos steuern und einstellen. Nur zwei schlichte Drehrädchen und Blinker- und Schalthebel am Lenkrad, sowie ein Warnblinker- und Notrufschalter sind noch als physische Bedienelemente verbaut. Ist man hier das Innendesign von VW, Skoda, Seat oder auch Audi gewohnt, wirkt dies erst mal völlig neu. Ich stell mir gerade vor, wie es sich für einen BMW Fahrer anfühlen muss, die bekanntlich gerne etwas mehr Knöpfe verbauen.Model 3 Interieur

Was natürlich auch sofort auffällt, dass es keinen Tacho mehr gibt. Die Geschwindigkeitsanzeige wird ebenfalls auf dem Monitor dargestellt. Zugegeben, wirkt das erstmal befremdlich und ich kann mir sogar vorstellen, dass dies störend ist beim Fahren. Tesla bietet leider auch kein Head-Up Display an , was ich sehr gefeiert hätte. Aber der Sparkurs von Tesla und die fast schon arrogant wirkende Einstellung von Elon Musk (CEO von Telsa) zu diesem Thema, haben diese Funktionen nicht zugelassen.

Die erste Fahrt

Nachdem ich auch die tollen Entertainment Features wie z.B. YouTube oder Netflix auf dem Display bewundern durfte, ging es endlich los. Mein Bekannter fuhr los. Und zack, da war er : der zweite Flash. Das Auto gleitet quasi geräuschlos dahin. Man hört nur das Abrollen der Reifen und dann die leisen Windgeräusche, sonst nichts. Es ist fast so, als würde man gleiten oder schweben. Nur das relativ straffe Fahrwerk und die Unebenheiten der Straße lassen einen spüren, dass man doch fährt.

Dann muss das kommen, was kommen muss, wenn ein Teslafahrer einen „Elektro Newbie“ mitnimmt. Vollgas! Ähm, ich mein Vollstrom! Mich drückt es ruckartig in den Sitz, mein Magen fühlt sich an wie bei einer Achterbahnfahrt und ich bekomme am ganzen Körper Gänsehaut. „WOW! Wie geil ist das denn?!“, ruf ich laut und mein Bekannter grinst zufrieden zu mir rüber. „Geil ne?!“, meint er und mir kommt nur ein „Voll krass!“ als Antwort über die Lippen.

Nachdem wir das Spielchen noch das ein oder andere Mal gemacht haben und er mir auch den Zwischensprinnt von 50 auf 100 demonstrierte, war für mich klar: Das ist ein komplett anderes Fahrgefühl als mit einem noch so starken Verbrenner Auto. Dieser Punch ist einmalig und diese sofort verfügbare volle Power ist unbeschreiblich. Wohl gemerkt saß ich „nur“ in einem LongRange und ich kann mir gar nicht vorstellen , wie die Performance Variante abgeht.

Dann schaltet er auf der Autobahn mal so ganz nebenbei den Autopilot (mit FSD) ein. Und da war er schon wieder ; der nächste Flash. Das Auto lenkt in Kurven, hält die Spur und den Abstand, bremst und beschleunigt, wechselt die Spur und fährt auf Wunsch auch alleine von der Autobahn wieder ab. Nach dem Todmannsprinzip, musste er nur hin und wieder am Lenkrad leicht drehen, damit das Auto auch weiss, dass der Fahrer auch noch da ist und ggf. reagieren kann. Auch wenn der Autopilot wohl noch lange nicht perfekt ist und das autonome Fahren sicherlich noch etwas an Zeit braucht, bis es praxistauglich ist, bekommt man hier eine Art Vorahnung davon, wie es mal sein kann. Tesla glaubt fest daran, dass es dies bald schaffen wird und glaubt an diese Vision!

Ich darf Model 3 fahren!

Endlich war es so weit, ich durfte hinter das Lenkrad! Auch hier wurde das Fahrgefühl wieder bestätigt. Es fühlt sich mehr wie gleiten an. Dein Hirn versucht verzweifelt irgendwelche Motorgeräusche zu erhaschen und wird ständig enttäuscht. Dann habe ich das One-Paddle-Driving getestet und mich direkt darin verliebt. Als Diesel- und Motorradfahrer liebe ich es viel mit der Motorbremse zu arbeiten und genau das kann man hier bis auf die Spitze treiben. Gas weg und das Model3 bremst bis auf Null. Zudem rekupariert man dabei, d.h. man wandelt die Bewegungsenergie zurück in Strom und lädt somit die Batterie wieder etwas auf. Diese Fahrweise ist wohl nicht jedermanns Sache – ich finde es aber genial!

Ein paar Kleinigkeiten, die mir auf Anhieb nicht so gefallen haben:

Tatsächlich der fehlende Tacho in der Mitte! Man muss gefühlt den Blick recht weit nach rechts wenden, damit man die Geschwindigkeit ablesen kann. Zudem ist das dauerhafte Blinken ungewohnt, weil der Blinker nicht einrastet und man somit kein physisches Feedback bekommt. Des Weiteren ist das Fahrwerk relativ hart abgestimmt und man merkt wirklich jede kleine Unebenheit auf der Straße deutlich.

Aber insgesamt ist das Fahrgefühl einfach nur der Wahnsinn! Man findet fast keine Worte und kann nur sagen, dass das jeder selbst mal erleben sollte. Auch das neue Bedienkonzept mit dem großen Display und der dazugehörigen Tesla Welt ist genial. Im Detail konnte ich mir gar nicht alles merken, was für Funktionalitäten das Auto hat und vor allem, dass diese durch automatische Updates laufend verbessert und erweitert werden. Ich meine das muss man sich mal vorstellen: man kauft ein Auto was quasi laufend verbessert wird. Kostenlos – einfach so! Dabei handelt es sich auch nicht nur um reine Softwareverbesserungen, sondern zum Beispiel wurde bei einen der letzten Updates die Beschleunigung um 5% gesteigert. Auch kostenlos und wo sonst bekommt man so etwas?! Zudem gibt es auch noch kostenpflichtige Updates je nach Model. Zum Beispiel kann man im Standard Range + die Sitzheizung für die hinteren Fahrgäste per Update freischalten lassen. Kostet zwar 300$ aber hey, keinen Termin, keine Werkstatt, keine Teile etc sind dazu notwendig- auch hier die Frage – bei welchem Hersteller im Mittelklassensegment kann man soetwas machen?!

Natürlich haben laufende Updates auch Nachteile. Am Ende des Tages handelt es sich hierbei um eine Software, die Menschen schreiben. Und Menschen machen Fehler. Somit kann auch mal ein Release einer neuen Software etwas Buggy (fehlerhaft) sein. Dann funktioniert vielleicht die Freisprechanlage nicht mehr wie vorher. Aber insgesamt sind mir noch kein graffierende oder gar sicherheitsrelevante Bugs bei Tesla zu Ohren gekommen.

Fazit

Wenn man einen Tesla Probe fährt wird es meist teuer! Jetzt versteh ich erst was damit gemeint ist. Ich bin auf jeden Fall schwer begeistert und die Entscheidung ist somit mehr oder weniger gefallen. Zu groß ist einfach die Enttäuschung wieder in sein „altes“ Auto zu steigen. Hier wird einen der Unterschied noch mal so richtig vor Augen geführt! Es fühlt sich auf einmal so laut, altmodisch und umständlich an. Ich kann mich gut an ein ähnliches Gefühl erinnern, als mir jemand ca. 2010 das erste Mal ein iPhone gezeigt hat. Als ich danach wieder mein Nokia Handy in der Hand hielt, fühlte sich das irgendwie nicht mehr gut an.

Mein Fazit ist somit ziemlich eindeutig: Das Fahrgefühl ist unbeschreiblich, das Bedienungskonzept und die verbaute Software für mich genau richtig und zuletzt das Design und die Verarbeitung meiner Meinung nach auf einem gutem Niveau.

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